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Pinkwashing
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Pinkwashing (Kofferwort aus englisch pink âRosaâ und whitewashing âSchönfĂ€rbereiâ), auch rainbow washing,cite-ref-2-1-0[1] bezeichnet Strategien, die durch das Vorgeben einer Identifizierung mit der LGBT-Bewegung bestimmte Produkte, Personen, Organisationen oder Staaten bewerben, um dadurch modern, fortschrittlich und tolerant zu wirken (vergleiche LGBT-Marketing, Soziale Inklusion).
Contents
âą Begriff
âą Kanada
âą Israel
âą Deutschland
âą Schweiz
âą Skandinavien
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Begriff
In den 1980er Jahren warben US-amerikanische Kosmetik- und Pharmafirmen mit rosa Schleifen auf ihren Produkten. Rosa Schleifen galten damals schon als Symbol fĂŒr das Engagement gegen Brustkrebs. Kritiker dieser Marketingstrategie sahen die Schleifen nicht als Ausdruck eines ernsthaften Engagements, sondern als versuchte SchönfĂ€rberei der Produkte, die im Verdacht standen, Krebs auszulösen.cite-ref-tagesspiegel-2016-07-20-2-0[2] Nach eigenen Angaben prĂ€gte die Organisation Breast Cancer Action (BCA) 2002 den Begriff Pinkwashing als sie ihre Kampagne Think Before You Pink startete.cite-ref-3[3] Tendenziell positiv besetzt ist dagegen der Ă€hnliche Begriff Purplewashing (âViolettwaschenâ). Er bezeichnet Werbung mit genderfreundlichem Inhalt und die Förderung eines Images der Gleichstellung der Geschlechter.
Im Zusammenhang mit LGBT-Rechten wurde der Begriff Pinkwashing laut der Historikerin und BDS-Aktivistin Sarah Schulman erstmals 2010 in einem GesprĂ€ch zwischen Dunya Alwan und Ali Abunimah im Rahmen einer Veranstaltung der politischen Organisation QUIT! (Queers Undermining Israeli Terrorism) verwendet. Er war dabei als Anlehnung an die etablierten Bezeichnungen Whitewashing und Greenwashing gedacht.cite-ref-4[4] Schulman selbst machte den Begriff in ihrer Kolumne in der New York Times einer breiteren Ăffentlichkeit bekannt.cite-ref-5[5] An anderer Stelle wird insistiert, dass der Begriff bereits seit 2001 von queeren Aktivisten in Israel genutzt werde.cite-ref-6[6] Einige Autoren sehen in Pinkwashing-VorwĂŒrfen eine grundsĂ€tzlich antisemitische StoĂrichtung und bezeichnen das Konzept als Verschwörungstheorie.cite-ref-teekanne-7-0[7]
Der Begriff Pinkwashing ist eng verknĂŒpft mit dem Konzept des Homonationalismus. Laut Jasbir Puar ist Pinkwashing nur in durch Homonationalismus geprĂ€gten Gesellschaften, also solchen, die LGBT-Rechte fĂŒr nationalistische Zwecke instrumentalisieren, möglich.cite-ref-8[8]
Mittlerweile haben Pinkwashing-VorwĂŒrfe noch eine andere Dimension angenommen: Im wirtschaftlichen Kontext bezeichnet Pinkwashing eine Doppelmoral, bei der Unternehmen durch eine gezielte Ăffentlichkeitsarbeit versuchen, sich ein weltoffenes und diverses Image zu geben, dies aber nur tun, um mehr Gewinne zu erwirtschaften. Eine demonstrativ queerfreundliche Haltung von Unternehmen muss nicht zwangslĂ€ufig Pinkwashing sein, da in westlichen LĂ€ndern hĂ€ufig von ihnen erwartet wird, der queeren Community gegenĂŒber aufgeschlossen zu sein. Wenn diesbezĂŒgliche Kampagnen aber rein gewinnorientiert sind, lĂ€sst sich mit Recht von Pinkwashing sprechen.cite-ref-9[9]
Beispiele aus dem Marketing
Seit etwa 2015 werden Bedenken ĂŒber die Kommodifizierung von LGBT-Rechten von GroĂunternehmen geĂ€uĂert.cite-ref-10[10] Vor allem wĂ€hrend des Pride Month im Juni kommt es jeweils zu Pinkwashing, das dann auch medial breiter rezipiert wird.cite-ref-11[11] So wurden beispielsweise im Juni 2021 etliche Firmen kritisiert, die ihr Logo auf den sozialen Medien fĂŒr ein paar Wochen mit einem Regenbogen hinterlegten. Dies taten sie aber nur in LĂ€ndern, in denen HomosexualitĂ€t nicht strafbar ist. Kritisiert wird, dass damit nichts zur Verbesserung bestehender Probleme fĂŒr LGBT-Menschen beigetragen werde.cite-ref-12[12]
Auch Produkte, die in Regenbogenfarben erscheinen, dienen oftmals â wenn sie nicht z. B. mit einem Anteil an Spenden an LGBT-Organisationen verbunden sind â nur der Umsatzsteigerung. Gelegentlich kosten Produkte im Regenbogendesign auch mehr als in der herkömmlichen Version.cite-ref-13[13] Mittlerweile werben einige Unternehmen bereits damit, explizit kein Pinkwashing betreiben zu wollen und daher auf z. B. Regenbogen-Kollektionen zu verzichten.cite-ref-14[14]
Siehe auch
:
Gender-Marketing
VorwĂŒrfe in ausgewĂ€hlten LĂ€ndern
Vereinigte Staaten
Im Jahre 2013 unterstĂŒtzte die US-amerikanische Human Rights Campaign (HRC) offiziell eine umfassende Einwanderungsreform der US-Regierung und erklĂ€rte sich bereit, Einwanderer beim Asyl- und EinbĂŒrgerungsprozess zu unterstĂŒtzen.cite-ref-16[16] Die Huffington Post sah hierin Pinkwashing. Es sei der Versuch unternommen worden, die Einwanderungsreform als âpro-LGBTâ zu framen, um sie so als progressiv erscheinen zu lassen.cite-ref-hpost-17-0[17]
Im Jahr 2014 wurde eine Kampagne zur UnterstĂŒtzung der Keystone-Pipeline, die kanadisches Erdöl in die Vereinigten Staaten liefern sollte, als Pinkwashing bezeichnet. Diese hatte argumentiert, dass das Projekt UnterstĂŒtzung verdienen wĂŒrde, da Kanada besser mit queeren Menschen umgehe als andere ölexportierende Staaten.cite-ref-18[18]
Nach der Wahl des Republikaners Donald Trump zum US-PrĂ€sidenten 2016 bekrĂ€ftigte dieser, sich fĂŒr LGBT-Rechte einsetzen zu wollen.cite-ref-19[19] Barack Obama erkannte hierhin Pinkwashing, welches zum Ziel habe, von der menschenverachtenden Politik Trumps abzulenken.cite-ref-foreignaffairstrumpandgayrights-20-0[20]
Kanada
Im Jahr 2012 wurde Jason Kenney, Kanadas damaliger Minister fĂŒr Einwanderung und EinbĂŒrgerung, des Pinkwashings beschuldigt, nachdem er eine E-Mail mit der Betreffzeile âLGBT FlĂŒchtlinge aus dem Iranâ an Tausende von Kanadiern verschickt hatte. Diese Nachricht enthielt auch einen Kommentar vom AuĂenminister John Baird, in dem er Kanadas Engagement gegen die Verfolgung und Ausgrenzung von Schwulen, Lesben und Frauen in der ganzen Welt betonte. Einige der Menschen, die diese Mail erhalten hatten, veröffentlichten im Nachgang einen offenen Brief, in dem sie der Regierung vorwarfen, dass es ihr weniger um LGBT-Rechte als um eine Diskreditierung Irans gehe.cite-ref-21[21]
Israel
2010 warf die Genderwissenschaftlerin Jasbir Puar der israelischen Regierung Pinkwashing vor. Eine Inszenierung Israels als einziges Land, das der queeren Community freundlich gesonnen ist, in einer sonst homophoben Region soll laut Puar von der völkerrechtswidrigen Besetzung palĂ€stinensischer Gebiete ablenken.cite-ref-22[22] Dieser Vorwurf gegenĂŒber Israel wurde â vor allem in aktivistischen Kreisen rund um die BDS-Kampagne â immer wieder erneuert.cite-ref-kaufman-23-0[23]cite-ref-24[24] Auch Saâed Atshan, Friedens- und Konfliktforscher am Swarthmore College, warf Israel 2024 vor, die Botschaft der Queerfreundlichkeit nicht aus ehrlichem Interesse an LGBTQ+-Rechten zu verbreiten, sondern aus strategischen und politischen GrĂŒnden, um die UnterdrĂŒckung der PalĂ€stinenser zu rechtfertigen. WĂ€hrend Israel einerseits den âPinkwashing-Diskursâ fĂŒr LGBTQ-freundliche Gruppen im In- und Ausland bediene, richte es weiterhin homophobe und religiös-konservative Botschaften an eine entsprechende Bevölkerung im Inland sowie an christliche Zionisten im Ausland.cite-ref-25[25]
Diese Anschuldigungen stieĂen auf Kritik. Von Autoren wie Alan Dershowitz oder dem Jungle-World-Journalisten Frederik Schindlercite-ref-26[26] wurde der Pinkwashing-Vorwurf als Verschwörungstheoriecite-ref-antisemitischeverschw-rungstheorie-27-0[27]cite-ref-starke-kritik-28-0[28] und/oder antisemitisches Argumentcite-ref-antisemitischeverschw-rungstheorie-27-1[27] bezeichnet. Der Journalist Stefan Lauer (Belltower.News) schrieb 2023 bezogen auf Pinkwashing: âEs geht um eine Verschwörung: Der Einsatz fĂŒr LGBTQ*-Rechte wird zum hinterhĂ€ltigen Plan, mit dem AuĂenstehende beeinflusst werden.âcite-ref-teekanne-7-1[7] Die Tatsache, dass Menschenrechte fĂŒr queere Menschen in Gaza und dem Westjordanland âfaktisch nicht existierenâ, werde als âWhataboutism oder gar Rassismusâ abgetan.cite-ref-teekanne-7-2[7] Ebenso fĂŒhrte James Kirchick (FDD) an, dass die UnterstĂŒtzung der LGBT-Community durch Israel nie direkt dazu benutzt worden sei, die Besatzung der palĂ€stinensischen Gebiete zu rechtfertigen.cite-ref-29[29] Die Antisemitismusforscherin Merle Stöver schrieb in einem Beitrag auf Belltower.News: âBei diesem Vorwurf handelt es sich in erster Linie um eine VerschwörungserzĂ€hlung, denn er setzt voraus, dass in Israel Politik nur aus Hinterlist gemacht wĂŒrde â als handele die israelische Demokratie nur aus rassistischem KalkĂŒl.âcite-ref-30[30]
Shaul Ganon von der israelischen Gruppe fĂŒr LGBT-Rechte Aquda wies darauf hin, dass bei der Debatte rund um vermeintliches Pinkwashing durch Israel vor allem die palĂ€stinensische LGBT-Community unter den Tisch falle.cite-ref-0-31-0[31]
Im Dezember 2024 verhinderten pro-palĂ€stinensische Aktivisten unter Bezugnahme auf den Vorwurf des Pinkwashings eine AuffĂŒhrung des französischen Dokumentarfilms La belle de Gaza bei einem internationalen Filmfestival in Belgien. Der Film handelt von Transfrauen aus Gaza, die Zuflucht vor transfeindlicher Gewalt in der palĂ€stinensischen Gesellschaft suchen und darum nach Tel Aviv gehen.cite-ref-32[32]
Deutschland
Des Pinkwashings werden in Deutschland verschiedene Marken bezichtigt. Ihnen wird vorgeworfen, sich nach auĂen hin als queerfreundlich darzustellen, dies aber nur in LĂ€ndern zu tun, in denen dadurch eine Erhöhung des eigenen Profits erwartet werden kann. So erschien etwa das Firmenlogo von Mercedes-Benz anlĂ€sslich des Pride Month 2022 in den sozialen Medien in Regenbogenfarben â allerdings nur in bestimmten LĂ€ndern. Im Nahen Osten wurde auf diese Geste verzichtet.cite-ref-doppelmoral-33-0[33] Ein Ă€hnliches Vorgehen wurde auch BMW vorgeworfen, nachdem der Automobilhersteller sein Logo zu einem regenbogenfarbenen wechselte, jedoch nicht in LĂ€ndern wie Saudi-Arabien, wo auf gleichgeschlechtliche Handlungen die Todesstrafe steht, Russland oder Polen.cite-ref-34[34]
Schweiz
Im Rahmen der Abstimmung zur Ehe fĂŒr Alle im September 2021 wurden zahlreiche Unternehmen kritisiert, die sich im Juni desselben Jahres mit Logos in Regenbogenfarben prĂ€sentiert hatten, sich dann aber nicht explizit zum Referendum Ă€uĂern wollten. Von den Unternehmen war zu hören, dass man sich nicht zu gesellschaftspolitischen Themen Ă€uĂern wolle. Zu den kritisierten Unternehmen gehören UBS, Credit Suisse, Swisscom, Roche Holding, Syngenta, Migros, Coop, NestlĂ©, Emmi AG sowie die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die Schweizerische Post.cite-ref-2-1-1[1]
Skandinavien
Im Juli und August 2012 organisierte ein Zusammenschluss einiger rechtsextremer Graswurzelbewegungen in Europa, wie die English Defence League (EDL), Demonstrationen zeitgleich mit der LGBT Pride in Helsinki und Stockholm.cite-ref-37[37]cite-ref-sverigesradio-38-0[38] Von aktivistischer Seite wurde den Rechtsextremen vorgeworfen, die Aufmerksamkeit ausschlieĂlich auf islamische Homophobie zu lenken und sich zu Unrecht als VerbĂŒndete von queeren Menschen darzustellen.cite-ref-sverigesradio-38-1[38]
Siehe auch
WeiterfĂŒhrende Literatur
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âą Rachael Byrne: The Moral Panics of Sexuality. Palgrave Macmillan UK, 2013, ISBN 978-1-137-35317-7, Cyber Pinkwashing: Gay Rights under Occupation, S. 134â148 (englisch).
âą Tanja Dreher: Pinkwashing the past: gay rights, military history and the sidelining of protest in Australia. In: Faculty of Law, Humanities and the Arts - Papers (Archive). 2016, S. 116â136 (englisch, edu.au).
âą Nadine Lake: The Routledge International Handbook of Social Work and Sexualities. Routledge, 2021, ISBN 978-0-429-34291-2, 'Corrective Rape' and Black Lesbian Sexualities in South Africa: Negotiating the Tensions between 'Blackwashing' and 'Pinkwashing' Homophobia (englisch).
âą Jason Ritchie: Pinkwashing, Homonationalism, and Israel-Palestine: The Conceits of Queer Theory and the Politics of the Ordinary: Pinkwashing, Homonationalism, and Israel-Palestine. In: Antipode. 47. Jahrgang, Nr. 3, 2015, S. 616â634, doi:10.1111/anti.12100 (englisch).
âą Koray Yılmaz-GĂŒnay & Salih Alexander Wolter: The Queer Intersectional in Contemporary Germany. Psychosozial-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8379-2840-2, Pinkwashing Germany? German Homonationalism and the "Jewish Card" (englisch).
Weblinks
Commons
: Pinkwashing (LGBT)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Tristen Norman: More Than Love: Beyond Romance for LGBTQ+. In: GettyImages.com. 27. Juni 2019 (englisch; 25 Jahre LGBT in der US-amerikanischen Werbung).
âą Anja KĂŒhne Queer weiĂ das (#16): Was bedeutet âPinkwashingâ? In: Tagesspiegel.de. 20. Juli 2016.
âą Sarah Schulman Pinkwashing and Israels Use of Gays as a Messaging Tool In: nytimes.com. 22. November 2011 (englisch).
Einzelnachweise
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